18. November 2019

3. Auf Kuba

3.1 Die Yoruba

Wie kam es nun, dass gerade die Yoruba zur stabilsten Gruppe Kubas wurden? Nachdem das Oyo-Reich zusammengebrochen war, wurde ein großer Teil der Bevölkerung als Sklaven nach Kuba verkauft. Aber abgesehen davon, dass die Zahl der exportieren “lucumi”-Sklaven schon enorm war, spielten noch andere Faktoren eine Rolle. Denn zu diesem Zeitpunkt begann man auf den Plantagen zu erkennen, dass der “Verbrauch” an Sklaven extrem hoch war. Deshalb begann man damit, die hygienischen Umstände und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Außerdem entschloss man sich, auch Frauen und Kinder zu kaufen.  Dadurch erhoffte man sich, dass sich die Sklaven reproduzieren würden und man dadurch auf Dauer weniger Sklaven kaufen müsse. Die Folgen waren eine geringere Kindersterblichkeitsrate, eine höhere Lebenserwartung und insgesamt bessere soziale Bedingungen. Somit hatten die Yoruba bessere Chancen Ehen oder 
eheähnliche Beziehungen aufzubauen und somit Familie zu gründen. Palmié gibt an, dass sich das Zahlenverhältnis von weiblichen und männlichen Sklaven von 1:9 auf 7:15 (1850) stieg.1

Die verbesserten Lebensumstände spiegelten sich zudem vermehrt in den Städten wieder, denn hier existierten mehr weibliche als männliche Sklaven und es ließ sich eine erhöhte Anzahl an Geburten feststellen. Außerdem war es für die Yoruba leichter, auf den Plantagen kohärente Gemeinschaften zu schließen, da das Yoruba schon in Afrika weit verbreitet war. Des Weiteren war es ihnen, dank des enormen Zustrom von Afrikaner, möglich, ihre Identität der Oyo- , Ifé- usw. Yoruba aufrecht
zu halten.
Palmié vermutet außerdem, dass sich Angehöriger anderer ethnischen Gruppen den Yoruba angeschlossen haben.

Zusätzlich fiel es den Sklaven und freien Afrikanern im Westen der Insel viel leichter, sich zu Gruppen zusammen zuschließen, da dort mehr Sklaven lebten und sie
in den Städten mehr Freiräume hatten, als die Sklaven auf den Plantagen. 
2

Obwohl es den Yoruba gelang kulturelle Elemente in ihre neue Heimat zu bringen, konnten sie diese nicht in kulturelle Institutionen verwandeln. Beispiel hierfür sind vorhandene Priester und Priesterinnen, aber keine Tempel; oder auch Prinzen und Prinzessinnen, aber keine Monarchie; usw. Stattdessen wurde ihnen der Staatsapparat der Spanier aufgezwungen. 

Die Afrikaner versuchten zwar dem zu entfliehen, aber erst im 18.Jahrhundert entstand die erste stabile “palenques” (Siedlung entlaufener Sklaven) auf Kuba.  Trotzdem gelang es ihnen, ihre Religion zu erhalten. Ab dem 16.Jahrhundert schlossen sie sich sogar in praktizierende Glaubensgemeinschaften zusammen. Dies gelang ihnen aber nur dort, wo es ihnen ihre Besitzer erlaubte, sie unentdeckt blieben oder ihr Verhalten schlicht weg nicht als religiöse Praktiken erkannt wurde.

1Palmié, Stephan 1991 S.75

2Zeuske, Michael 2002 S 108f und Palmié, Stephan 1991 S.73-80

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